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Das Leben der Roma - 8 Tage durch den Balkan
Der Verein "Verantwortung für Flüchtlinge e.V." (http://www.vff-international.com) unterstützt, in Zusammenarbeit mit andern Hilfsorganisationen, Menschen die aus Deutschland abgeschoben wurden und versucht diese vor Ort zu unterstützen. Beispielsweise wurden in den letzten Jahren viele Sachspenden gesammelt, Betroffene werden bei Behördengängen begleitet und der Verein
bietet Rechtsberatungen an.
Ich wurde auf die nächste Fahrt eingeladen und wir starteten am 25.12.2016 in den frühen Morgenstunden unsere Reise in verschiedene Länder auf dem Westbalkan.

Ich verwende im folgenden Text lediglich die Bezeichnung „Roma“, obgleich es in den Lagern und Städten weitere Minderheiten gibt und Menschen, die diesen Begriff eventuell nicht als Selbstbezeichnung nutzen. Ich verwende den Begriff vorurteilsfrei, um eine Gruppe Menschen zu beschreiben, die sich aktuell in einer ähnlich, strukturell diskriminierten Lebenssituation befinden.
Den Begriff „Slum“ nutze ich, um die unzureichenden und Großteils hygienisch katastrophalen Lebensumstände zu versinnbildlichen. Der Begriff ist nicht als Abwertung zu verstehen.

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Tag 1: von Deutschland nach Montenegro
Nach 1700 km erreichen wir in den späten Abendstunden unser erstes Ziel in Podgorica. Unsere Reise hat uns bis dahin bereits durch Slowenien, Kroatien und Bosnien geführt und ich habe einen kleinen Einblick gewinnen können, was mich die nächsten Tage erwartet. Meine BegleiterInnen fahren schon das zweite Mal im Winter diese Strecke. Für mich ist es das erste Mal, dass ich in
diesen Ländern überhaupt bin. Ich sehe schlechtere Straßen aber schönere Landschaften. Umso näher wir der südöstlichen Halbinsel Europas kommen, fallen mir immer mehr zerfallene Häuseram Straßenrand auf. Ich bin gespannt, was mich die nächsten Tage auf unserer Reise erwarten wird.

Tag 2: Flüchtlingslager Konik (Montenegro) und Besuch des Kinderheims in Peze (Albanien)
In Montenegro angekommen besuchen wir am zweiten Tag das Flüchtlingslager Konik. Dies befindet sich in einem Stadtteil von Podgorica und ist während des Kosovokrieges 1999 entstanden.
Nach Aussagen der Organisationen vor Ort, sollte es bis zum Ende des Jahres aufgelöst werden. Am Tag unseres Besuches, lebten jedoch noch 1200 Menschen in diesem Flüchtlingslager. Konik ist eines der bekanntesten Romaslums auf dem Westbalkan. 2012 zerstörte ein Feuer im Lager das Hab und Gut von 800 Menschen. Unterteilt wird es in zwei Gebiete. Konik 1 besteht nur noch aus
einzelnen Hütten, hier leben circa 200 Menschen.
Konik 2 hingegen besteht aus zwei unterschiedlichen Wohngebieten. In dem einen Teil leben die Menschen in Holzhäusern. Mit Folien, Paletten und Teppichen werden diese versucht winterfest zu machen. Der zweite Teil besteht aus Sozialwohnungen, die von der Europäischen Union errichtet wurden. In diese Wohnungen sollen die Menschen nach und nach einziehen. Bis jetzt betrifft diese
gesicherte Wohnform lediglich 500 Personen. Eine Miete von circa 50€ muss eigenständig gezahlt werden und ist für viele Menschen in Konik unerschwinglich. In der Realität ist die Möglichkeit der Verbesserung der Lebensqualität für die meisten Betroffenen somit nicht erreichbar.
In Konik sind die Zustände katastrophal. Circa 600 Menschen leben in Holzhütten ohne Strom und Wasser. Für alle BewohnerInnen gibt es vier Toiletten und einen Wasserschlauch auf dem Gelände.
Viele Menschen leben vom Sammeln auf einer anliegenden Müllkippe oder von Schwarzarbeit mit schlechter oder gar keiner Bezahlung.

In der zweiten Hälfte des Tages besuchen wir das Kinderheim "Rreze Dielli" (Sonnenstrahlen) in Peze nahe Tirana, der Hauptstadt Albaniens. Im Kinderheim leben 15 Kinder. Zusätzlich gibt es eine Tagesbetreuung von 30 Kindern aus den umliegenden Orten. Im Tagesprogramm stehen vielfältige Bildungs- und Spielmöglichkeiten, aber auch eine Ausbildungsmöglichkeit zum Schreiner. So werden die Kinder ihrem Alter entsprechend gefördert und wachsen in einem familiären Klima auf. Die Finanzierung dieses Projektes ist vorerst gesichert. Dennoch haben sich die Kinder und MitarbeiterInnen über unsere Spenden gefreut.
Unsere Nacht verbringen wir in Tirana, von wo wir am nächsten Tag nach Griechenland starten.

Tag 3: Flüchtlingslager Diavata (Griechenland)
Der dritte Tag beginnt mit einem Besuch des griechischen Flüchtlingslagers "Diavata" bei Thessaloniki. Im Vorfeld haben wir ein Treffen mit der vor Ort ansässigen NGO „Antigone“, um Informationen über die Situation im Lager zu erhalten. Wir erfuhren, dass die Zelte, in denen die Geflüchteten aus Afghanistan und Syrien sowie KurdInnen untergebracht sind, bis vor Kurzem, trotz Temperaturen um die 0°C, ungeheizt waren. Mittlerweile gibt es Container, die zumindest zum Großteil beheizt sind.
Insgesamt leben im Flüchtlingslager 500 Menschen, davon 200 Kinder. Im Lager leben auch 50 Roma, darunter 30 Kinder. Die Organisationen versucht den Menschen verschiedene Angebote zu machen. Mit ihren vielen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen setzen sie sich als Ziel, die Flüchtlinge auch außerhalb zusammenzubringen und mit ihnen gemeinsame Besuche, z.B. in Museen, zu
ermöglichen. Eine Vorschule soll die Flüchtlingskinder auf einen späteren Schulbesuch vorbereiten, jedoch fehlt es dafür an jeglichen Hilfsmitteln. So wird auch der Verein, den ich begleite, im nächsten Jahr versuchen diese NGO vor Ort zu unterstützen.

Tag 4: Abfahrt nach Fushe Kosove im Kosovo
Nach kleinen Schikanen an der Grenze kommen auch wir am späten Abend in Fusove an. Hier sind wir schon mit Ergin verabredet, der 13 Jahre in Deutschland lebte, bevor er 2011 abgeschoben wurde. Er musste seine schwer kranke Mutter zurücklassen und in ein Land gehen, dessen Sprache er nicht konnte und keine Kontakte hatte.
Ich möchte ihn seine Geschichte selbst erzählen lassen: https://www.youtube.com/watch?v=UQ2Qyj8LBxc

Tag 5 & 6: Brennholz verteilen und Winterfest
Am frühen Morgen beginnen wir im Romaslum in Fusove Brennholz zu verteilen. Eine Familie braucht, um über den Winter zu kommen, 90€ für Brennholz. Wir werden in diesen zwei Tagen 35 Familien mit Holz versorgen. Viele der Menschen hier, leben nur in sporadisch zusammengebauten Hütten. Die Lebenssituation ist extrem schlecht, viele leben zwischen Müll und baufälligen Häusern. Vielen ist es wie Ergin ergangen und sie kamen, völlig auf sich alleingestellt, in ein fremdes Land, ohne Sprachkenntnisse und Unterkunft.

Wir teilen uns in Gruppen auf: eine Gruppe verteilt Holz, die andere kocht. Ich gehöre zu jenen, die Holz verteilen. Wir treffen uns mit einem Holzhändler und fahren auf seinem LKW durch das Romaslum. Es ist sehr kalt und ich bekomme einen ersten Eindruck, von den Lebensbedingungen vor Ort. Zu Beginn mache ich mir Sorgen über die Verständigung, doch als wir ankommen, werde ich auf Deutsch angesprochen. Bei uns bedankt sich ein junger Mann, der 20 Jahre in Deutschland gelebt hatte und vor zwei Jahren wieder in den Kosovo abgeschoben wurde. Er erzählt mir, dass er alleine abgeschoben wurde und hier niemanden kannte. Auch die Sprache konnte er nicht.

An diesem Tag konnten wir 18 Familien mit Brennholz beliefern.
Am sechsten Tag wurde ich zur Verteilung der Kleiderspenden und zum Kochen eingeplant. Unser Winterfest begann nachmittags und es hatte sich bereits herumgesprochen, dass wir wieder da sind.
So belagerten viele Kinder unser Auto schon bei der Einfahrt. Sie fragten uns auf Deutsch wie es uns geht und ob wir wieder ein Winterfest machen. Wir luden mit den Kindern den Transporter aus und haben gemeinsam gegrillt und gekocht. Obwohl das Winterfest nur eine kleine Unterstützung in Form einer warmen Mahlzeit und einigen warmen Sachen ist, hat es eine wichtige Bedeutung. Innerhalb von wenigen Minuten sind alle Spenden vergriffen. Es ist schön zu sehen, dass die Kinder, die vorher nur Pullover trugen nun eine warme Jacke an haben. Dennoch reichten weder die Kleiderspenden noch das Brennholz für alle.

Tag 7 & 8: Kumanovo/Mazedonien
Mitrovicaes ist eine Stadt im Norden des Kosovo, die 1999 im Zuge des Kosovokrieges in einen nördlichen (serbischsprachigen) und in einen südlichen (albanischsprachigen) Teil gespalten wurde.
Der Fluss dient dabei als natürliche Grenze. Verbunden werden die beiden Stadtteile durch zwei Straßenbrücken und einen Fußgängersteg. Im albanischen Teil leben ca. 60.000 Menschen und auf der anderen Seite 13.000 Menschen.
Am achten und letzten Tag unser Reise besuchen wir eine Schule und den anliegende Romaslum in Kumanovo. Uns begrüßt ein kleiner Junge vor der Schule, der ganz stolz sagt: "ich kann Deutsch" und führt uns mit seiner Lehrerin durch das Schulgebäude. Die Kinder der Vorschule lernen die Amtssprache. Viele können nur Romanis, die Sprache der Roma. Sie erhalten so die Möglichkeit und eine Perspektive im kommenden Schulwesen weiter zu kommen. Wir übergeben der Schule Spenden und Geld.

Zum Abschluss besuchen wir noch das Romaslum, nur wenige Minuten von der Schule entfernt.
Die Situation der Menschen ist dieselbe, wie überall im Kosovo. Wir gehen eine kleine Straße entlang, nicht breiter als ein Wohnungsflur. Es liegen Wohnung an Wohnung auf 100 Metern Länge. Hier leben hunderte Menschen und Kinder auf engstem Raum. Nach und nach kommen Menschen aus ihren Wohnungen und erzählen uns, dass sie aus Deutschland abgeschoben wurden und jetzt hier leben müssen und zurück nach Deutschland wollen, weil die Lebensumstände unerträglich seien. Eine Frau ruft sich zu uns in die Wohnung, diese ist drei Mal drei Meter groß. In dieser Wohnung leben acht Personen. Eine Wohnung weiter lebt eine alte Frau mit ihrem blinden Mann.
Er müsste täglich zu Dialyse, aber sie können es sich nicht leisten und sind verzweifelt. So reden wir noch mit vielen Menschen auf der Straße und müssen auch selbst erst einmal die Situation verarbeiten. So schwer es fällt, die Leute dann wieder alleine zu lassen, müssen wir weiter.

Ich hoffe, dass im nächste Winter wieder einigen Familien mit Brennholz und Essen geholfen werden kann. Die Spenden reichen nicht für alle Menschen und es ist sehr schwer, die Betroffenen kennenzulernen, von ihren Problemen und Wünschen zu hören und dennoch nicht helfen zu können. Wir bekamen jedoch auch die Rückmeldung, dass es für die Menschen wichtig ist, dass an
sie gedacht wird und sie in schwierigen Situationen nicht alleingelassen werden.

Unsere Solidarität darf nicht an der Grenze von Deutschland aufhören!

Simon Telemann

Bilder: Simon Telemann 2x, Richard Gauch 1x

16.01.201716.01.2017

 

 

 

 

 

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Verein "Verantwortung für Flüchtlinge e.V."  - Pressemitteilung vom 7. Januar - Schenken SIE Hoffnung

Schenken Sie notleidenden Menschen Hoffnung

Jedes Jahr werden weit über 800 Roma aus Deutschland in den Kosovo abgeschoben, darunter zahlreiche hilflose Kinder.

Dort wartet auf diese Menschen häufig Obdachlosigkeit, Diskriminierung auf allen Ebenen und ein kaum vorstellbares Massenelend. Insbesondere leiden die Kinder unter diesen Zuständen, oft sind sie von Unterernährung betroffen und es gibt auch Fälle, bei denen Kinder im Winter erfrieren. Die meisten Bewohner leben durchschnittlich mit 0,60 € pro Tag. Es gibt keinerlei Krankenversicherung und die Lebenshaltungskosten sind mit denen in Deutschland vergleichbar. Der größte Romaslum im Kosovo befindet sich in Fushe Kosove nahe der Hauptstadt Prishtina. Viele Bewohner des Slums haben kein Dach über dem Kopf, andere wiederum in ihren Häusern keinen Wasser- und Stromzugang sowie keine Möglichkeit zum Heizen. Die Winter im Kosovo sind jedoch sehr kalt, weshalb die abgeschobenen Roma und ihre Familien vor Ort auf Decken und Brennholz angewiesen sind. Der Verein „Verantwortung für Flüchtlinge e.V.“ engagiert sich bereits seit vielen Jahren in Fushe Kosove, um den Menschen vor Ort konkret zu helfen (z.B. Ergin Alija: https://www.youtube.com/watch?v=UQ2Qyj8LBxc).

Kinder können sich leider selbst nicht helfen. Darum möchte der Verein in Fushe Kosove Brennholz hauptsächlich an notleidende Familien mit Kindern für den Winter ausgeben.
Um die Hilfe leisten zu können, bieten wir potentiellen Spenderinnen und Spendern eine Patenschaft in Höhe von 95,00 € für die Brennholzversorgung einer Romafamilie an. Dieses Geld reicht für Brennholz einer Familie in Fushe Kosove aus, um durch den kalten Winter zu kommen.

Das Brennholz werden wir vor Ort im Kosovo kaufen und in Fushe Kosove den Familien überreichen. Ebenso verteilen wir vor Ort Decken und Winterkleidung für die Roma.
Wenn es die Spenderinnen und Spender wünschen, können diese auch den Kontakt zu ihrer Patenschaftsfamilie bekommen, um diese eventuell auch weiterhin unterstützen zu können.

Die prekäre Lage dieser Menschen, allen voran aber auch Kinder, ist nicht nur im Kosovo aufzufinden, sondern in zahlreichen Regionen des Westbalkans, u.a. in Mazedonien. Im Sommer 2016 besuchten wir als Verein "Verantwortung für Flüchtlinge e.V." zusammen mit einem Vertreter von "Romano Jekipe Ano Hamburg - Vereinigte Roma Hamburg" den Ort Kumanove nahe der mazedonischen Hauptstadt Skopje. Dort wurde vor 2 Jahren in einer Romasiedlung mit katastrophalen Zuständen ein Vorschulprogramm eingestellt, durch das Kinder von Romafamilien die mazedonische Sprache erlernt hatten, um im regulären Schulunterricht teilnehmen zu können. Wir trafen dort sowohl ehemalige Lehrer_innen als auch betroffene Eltern und Schüler_innen. In den Gesprächen wurde sehr rasch deutlich, dass es neben der institutionellen Förderung selbst an vergleichsweise Kleinigkeiten wie Heften und Stiften fehlt, um den von allen Beteiligten dringend gewünschten Zugang zum Bildungserwerb zu gewährleisten.

Für uns steht fest: Nach wie vor ist die konkrete Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort ein unverzichtbarer Teil humanitären Engagements. Da sich in vielen Fällen die lokalen Entscheider_innen in der Politik aus ihrer Verantwortung stehlen, ist es für uns eine moralische Verpflichtung denen, die durch die unmenschliche deutsche Abschiebepolitik betroffen sind, wenn schon keine zufriedenstellende Lebensperspektive, so doch zumindest ein wenig Hoffnung auf Verbesserung ihrer aktuellen Situation zu ermöglichen.

Wer für das Brennholz im Kosovo spenden möchte, kann dies mit dem Verwendungszweck „Brennholz“ tun.

Verantwortung für Flüchtlinge e.V.
Sparkasse Leipzig
Kontonummer: 1090088457
BLZ: 86055592
IBAN: DE26860555921090088457
Verwendungszweck: Brennholz

(für LSA-news 15 bearbeitet: Kurt Meran von Meranien)

07.01.201707.01.2017

Verein "Verantwortung für Flüchtlinge e.V.
Zweck des Vereins "Verantwortung für Flüchtlinge e.V." ist die unentgeltliche soziale Betreuung und Unterstützung von der Abschiebung betroffener Flüchtlinge in Deutschland sowie im Zusammenwirken mit ausländischen gemeinnützigen Vereinen und Institutionen deren nachwirkende Betreuung in dem Land, in das die Abschiebung erfolgt.

Zur Verwirklichung der vorgenannten Zwecke wird der Verein vor allem wie folgt tätig:
- Einrichtung und die Unterhaltung von Anlaufstellen für von der Abschiebung bedrohte Flüchtlinge und Asylantragssteller sowie von abgeschobenen Menschen in den jeweiligen Ländern;
- Angebot und Durchführung kostenloser Begleitung von Flüchtlingen bei Behördengängen und ähnlichen Besorgungen durch sprachkundige Helfer;
- Beratung in sozialen und rechtlichen Fragestellungen
- Vermittlung und Organisation eines kostenfreien Empfanges des Abgeschobenen und gegebenenfalls seiner Familie im Land der Abschiebung bzw. seine Vermittlung an eine geeignete Anlaufstelle für   Abgeschobene vor Ort, um die soziale Eingliederung des Abgeschobenen im Zielland der Abschiebung zu erleichtern
- Humanitäre Hilfe in Form von Brennholz, Kleiderspenden sowie Investitionen in die Schulausbildung der betroffenen Kinder

Zur finanziellen Absicherung der vorbenannten Tätigkeit wirbt der Verein Beiträge, Spenden und Fördermittel ein und beschäftigt geeignetes Personal in Deutschland und in ausgewählten Zielländern der deutschen Abschiebepraxis. Alle beschafften Mittel werden der Verwirklichung der satzungsmäßigen, steuerbegünstigten Zwecke zugeleitet.

*

Sinti und Roma sind seit dem 8. /10. Jahrhundert in Europa eingewandert und leben seit 600 (!) Jahren in Deutschland. Sie werden immer noch als "Fremde" und viel schlimmer als jetzige Flüchtlinge behandelt!

Es passiert in Europa - in der EU - in Deutschland

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Einladung

zum Abschied für das Roma Parlament - und die ungarische Demokratie - vor der Einäscherung jener welcher.
"Weil denn die Elenden verstört werden und die Armen seufzen, will ich auf, spricht der HERR; ich will Hilfe schaffen dem, der sich darnach sehnt." Psalm 12.6)
 
Das Roma Parlament ist Opfer des staatlichen Terrors geworden!
Die Türen unseres Stammsitzes wurden aufgebrochen, unsere Besitztümer verschleppt, die geschichtlichen Wände werden abgerissen.

Budapest, 30. Oktober 2016.
 
Aladar Horvath
Vorsitzender
 


30.10.201630.10.2016

 

 

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Reisebericht: Sommer-Projektfahrt des Vereins "Verantwortung für Flüchtlinge e.V."
 
Die knapp zweiwöchige Projektreise des "Verantwortung für Flüchtlinge e.V." war geprägt von Eindrücken, die sich in den unterschiedlichen Stationen in ähnlicher Weise strukturell wiederholten. Bereits am ersten Stopp in Budapest fiel deutlich auf, dass die lokalen Behörden die Selbstorganisation der örtlichen Romavertretungen zu zerschlagen suchen oder wenn dies nicht möglich sein sollte, deren Einfluss weitestgehend zu begrenzen sowie in Regierungsabhängigkeiten zu zwingen.

So steht der Präsident des ungarischen Romaparlaments Aladar Horvarth als Vorsitzender der einzigen selbstständig betriebenen Romavertretung vor existenziellen Problemen: Der ungarische Staat will das Gebäude des Romaparlaments abreißen, die angebotenen alternativen Räumlichkeiten sind mit unannehmbaren Einschränkungen der freien und unkontrollierten Arbeit verbunden. Horvarths Bemühungen die politische Autonomie zu wahren sind ohne internationale Solidarität zum Scheitern verurteilt. So sind die Einnahmen der geplanten Ausstellung von Bildern der Romakünstler_innen in Erfurt, evtl. Berlin und anderen deutschen Städten für den weiteren Betrieb des  Romaparlaments überlebensnotwendig.
 
Wir vergewisserten uns über die aktuellen Entwicklungen im nahegelegenen Projektdorf Kálló, wo die erfolgreiche Kooperation des ansässigen Bürgermeisters mit den Romavertreter_innen eine positive Ausnahme im ungarischen Kontext darstellt. Der VVfF wird weiterhin den einzigen örtlichen Sportclub bei der Errichtung eines Vereinsheims unterstützen. Roma und Nichtroma spielen im FC Kálló gemeinsam Fußball und verpassten in der letzten Saison den Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse denkbar knapp um nur einen Punkt als Dritter der Liga. Das Vereinsheim soll aus traditionell hergestellten Lehmziegeln errichtet werden, die nach Wunsch des Bürgermeisters auch exportiert werden sollen, um Arbeitsplätze für Roma des Dorfes zu schaffen.

Ganz anders stellt sich die Situation im Roma-Slum Konik am Rande der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica dar. Seit 16 Jahren leben dort Geflüchtete aus dem Kosovo in unmenschlichen Zuständen. Teils wurde das Lager bereits aufgelöst und die Bewohner_innen in (leerstehende) Wohnungen untergebracht, nun sind die örtlichen Hilfsorganisationen mit der Beschaffung selbst der rudimentärsten Einrichtungsgegenstände, wie Matrazen oder Küchengeschirr, vollkommen ausgelastet. Währenddessen bahnt sich in dem großteils aus Holzresten, Müll und Wellblech gezimmerten Hütten des Restlagers eine humanitäre Katastrophe an: Die Wasserzufuhr zum einzigen Toiletten- und Waschhaus ist wenige Tage vor unserem Besuch zusammengebrochen. Da Hilfsgelder für Reparatur und Instandhaltung ausbleiben, sind die Menschen im Hochsommer ohne sauberes Wasser bestialischem Jauchegestank ausgesetzt, uns wurden erste Fälle von Krankheiten bei Kindern berichtet, die auf die katastrophalen hygienischen Zustände zurück zu führen sind.
 
Ähnlich die Lage in Fushë Kosovë, einer hauptsächlich von Roma bewohnten Siedlung am Stadtrand Prishtinas, in der viele aus Deutschland abgeschobene Roma leben. Gemeinsam mit vorwiegend jungen kosovarischen Aktivist_innen wird nun die Schwesterorganisation "Verein Verantwortung für Flüchtlinge Kosovo" gegründet, die sich vorrangig um Einrichtung und Betrieb der ersten  Krankenstation in der Siedlung kümmern wird; auch ein Objekt zur Lagerung von Sachspenden könnte angemietet werden, sodass das für viele Romafamilien unverzichtbare Brennholz-Patenschafts-Programm des Leipziger Vereins im kommenden Winter weitergeführt werden kann. Die sächsiche Landtagsabgeordnete und Asylspezialisten der Fraktion Die LINKE Juliane Nagel ließ sich über die erfolgten und anstehenden Projekte unseres Vereins vor Ort informieren und führte auch einige Gespräche mit aus Deutschland abgeschobenen Familien, die heute da mit unzureichender Sozialhilfe ausgestattet, durch Müllsammeln täglich ums Überleben ihrer Familien kämpfen.
 
Zusammen besuchten wir den Ort Kumanow, nahe der mazedonischen Hauptstadt Skopje. Dort wurde vor 2 Jahren ein Vorschulprogramm eingestellt, durch das Kinder von Romafamilien die mazedonische Sprache erlernt hatten, um im regulären Schulunterricht teilnehmen zu können. Wir trafen dort sowohl ehemalige Lehrer_innen als auch betroffene Eltern und Schüler_innen. In den Gesprächen wurde sehr rasch deutlich, dass es neben der institutionellen Förderung selbst an vergleichsweise Kleinigkeiten wie Heften und Stiften fehlt, um den von allen Beteiligten dringend gewünschten Zugang zum Bildungserwerb zu gewährleisten.
 
Nach unserer Reise steht für uns fest: Nach wie vor ist die konkrete Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort ein unverzichtbarer Teil humanitären Engagements. Da sich in vielen Fällen die lokalen Entscheider_innen in der Politik aus ihrer Verantwortung stehlen, ist es für uns eine moralische Verpflichtung denen, die durch die unmenschliche deutsche Abschiebepolitik betroffen sind, wenn schon keine zufriedenstellende Lebensperspektive, so doch zumindest ein wenig Hoffnung auf Verbesserung ihrer aktuellen Situation zu ermöglichen.

Dafür sind wir weiterhin auf die Unterstützung der Leipziger_innen angewiesen, die ihre ehemaligen Nachbar_innen, die nun in "sicheren Herkunftsländern" - teils ohne jegliche Kenntnisse von Sprache und Land in schlimmsten Umständen vegetieren müssen, nicht im Stich lassen.

(Reisebericht von Florian Illerhaus)

bearbeitet für den "L-Schönefelder Almanach" Georg Hans Schlitte

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 Bilder © Richard Gauch

 

 09.07.201609.07.2016

 

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! PALMÖL ist nicht nur im TANK – sondern auch in industriellen LEBENSMITTELN ! Für PALMÖL muss der REGENWALD sterben ! WAS TANKST DU – WAS ESSEN DEINE KINDER ?

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