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Zweiklassengesellschaft

Wenn wir an die DDR denken, hier etwas über die Klassen in der DDR. Allgemein wurde immer gesagt, es gäbe zwei Klassen: Arbeiterklasse, Bauernschaft und Reste des Mittelstandes. Oder noch anders: EINE KLASSE: Die Arbeiter- und Bauernklasse und Reste des Mittelstandes.

Die drei Klassen in der DDR
Es gab tatsächlich drei Klassen oder auch Gruppen von DDR-Bürgern: 1. Die Mitglieder der SED; 2. Die parteilosen Bürger; 3. Die Mitglieder der anderen Parteien

Begründung der Rangfolge: Die Mitglieder der SED waren die Vertreter der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauern und damit der Mehrheit der Bevölkerung. Die parteilosen Bürger waren potentielle zukünftige Mitglieder der SED. Die parteigebundenen Bürger konnten keine Mitglieder der SED werden.

Ich bin von 1961 bis 1984 Mitglied und Funktionär der LDPD gewesen. In den siebziger Jahren und achtziger Jahren war ich jeweils kurze Zeit Stadtbezirkssekretär und damit Mitglied des Demokratischen Blocks der Nationalen Front in meinem Stadtbezirk. Regelmäßig tagte der Block. Den Vorsitz übernahm reihum eins der Mitglieder, während das Referat natürlich immer dem Sekretär der NF und damit der SED oblag.

Nun passierte es wieder einmal, ich war schon immer ein Außenseiter gewesen, dass mir das Referat des Sekretärs der Nationalen Front des Stadtbezirks missfiel. Jeder dritte Satz begann mit den Worten: „Die Partei hat beschlossen …“ Anwesend waren, soweit ich mich erinnere, folgende Funktionäre des Stadtbezirkes: der dritte Sekretär der SED und sein Sekretär. Der 1. Sekretär der FDJ-Stadtbezirksleitung. Die Vorsitzende des DFD. Der Sekretär der DSF. Der Vorsitzende der CDU. Der Sekretär der NDPD. Der Vorsitzende der DBD. Je ein Vertreter des KONSUMS, der Kammer der Technik und ich glaube auch der Handwerkskammer und ich. Nur mit geringer Konzentration hörte ich zu, ärgerte mich über das sinnlose Herumsitzen und blätterte in meinen Unterlagen. Als der Referent einmal luftholte, meldete ich mich mit folgenden Worten: „Freund …“, in den Gremien der Nationalen Front redeten sich die Mitglieder mit „Freund“ an, „von was für einer Partei sprichst Du. Ich kann die Beschlüsse nicht finden?“ Es war mäuschenstill. Dann sagte der Referent: „Natürlich von unserer Partei, der SED!“ Und ich antwortete (sinngemäß): „Ach, ich dachte das wäre eine Beratung der Nationalen Front. Aber es ist ja eine Parteiversammlung der SED. Ich bitte um Entschuldigung!“ Stand auf, nahm meine Aktentasche und ging. Und nun passierte etwas damals Ungeheuerliches! Alle Vertreter der Parteien und Massenorganisationen, sogar der 1. Sekretär der FDJ-Stadtbezirksleitung folgten mir und verließen den Raum! Es blieben nur die Mitglieder der SED-Stadtbezirksleitung und der NF-Sekretär übrig.

Die Folgen
Ich musste bei meinem Kreisvorsitzenden antreten und mich vor dem Kreisvorstand verantworten. Der Kreisvorsitzende ging mit mir zum Bezirksvorsitzenden. Dann musste ich beim 1. Sekretär der Stadtbezirksleitung der SED und danach beim 1. Sekretär der Stadtleitung antreten. Rangmäßig wurde das Geschrei immer größer und härter. Die Sache wurde jeweils intern ausgewertet. Der Kreisvorstand der LDPD und auch die Stadtbezirksleitung der SED waren in einer Zwickmühle. Ich hatte zwar den Aufstand geprobt, aber das Problem war, wie sollte mit der Sachlage, mit mir umgegangen werden? Ich hatte den LDPD-parteilich verwahrlosten Stadtbezirk auf Vordermann gebracht und den Parteiwettbewerb gewonnen. Auf einen dafür vorgeschlagenen Orden verzichtet. War Absolvent der Kreis-, Bezirks- und Parteihochschule der LDPD. Allerdings hatte es auf der Parteihochschule auch Ärger gegeben und ich musste mich in einem schulischen Parteiverfahren verantworten. Da die anderen Kommilitonen für mich aussagten, konnte ich die Parteihochschule mit Erfolg abschließen. Ich flog nach meinem Aufstand „freiwillig“ aus allen Partei- und Wahlämtern und sollte als Mitglied „gestrichen“ werden. Gegen das Streichen legte ich Einspruch ein und kündigte wenig später die Mitgliedschaft. Der Austritt zögerte sich hinaus. Wenn ein Kreissekretär (ich hatte den Status Kreissekretär) aus einer Partei austritt, gibt es Probleme. Da rollten nicht nur in der LDPD Köpfe. Ich riss in dieser Zeit meine vorlaute Klappe noch weiter auf als sonst und schon nach einem Jahr gehörte ich zu den Parteilosen. In meiner beruflichen Karriere gab es wieder einmal einen Knick, aber ein glatter Weg ist langweilig und sagte mir einfach nicht zu.


Kurt Meran von Meranien 8.10.2016

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